Thesen aus der russischen Provinz

#9

1. Neujahr ist am 31. Dezember. Aber niemand wartet gern, und warum nur einen Tag feiern, wenn man auch schon in der Woche vorher damit anfangen kann. Und für eine tolle Show ist immer der richtige Zeitpunkt. Deswegen wird schon am 26. Dezember aus allen Rohren gefeuert und der Nachthimmel in bunte Farben getaucht. Dazu wird getanzt, gesungen, Feuer gespuckt und Schlitten gefahren. Und natürlich darf ein lautes „Urrrrra“ aufs neue Jahr und die kommenden olympischen Spiele nicht fehlen.

2. Wer die Indizien seines eigenen Verbrechens nicht zeitig beseitigt wird erwischt. Und die Dame von der Hausverwaltung weiß genau, dass sich das frühmorgendliche Eintreiben der Miete auch gut mit einer kleinen Razzia verbinden lässt. Und natürlich entgeht ihr weder die leere Bierflasche neben dem Bett, noch die leere Wodkaflasche auf dem Tisch gegenüber. Doch das neue Amnestiegesetz scheint auch dich zu begünstigen und so kommst du trotz wiederholtem Vergehen nocheinmal davon.

27.12.13 13:30

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tante Angelika (2.1.14 13:38)
Das mit der Razzia haben wir an Sylvester gleich brühwarm unseren russischen Gästen mitgeteilt. Die – beide unter dreißig – sind selbst dem Leben im russischen Wohnheim erst vor kurzem entschlüpft und konnten solche Begegnungen mit Damen von der Verwaltung nur bestätigen. Plus eine Erklärung zur gesamtrussischen Ruppigkeit abgeben: Erst mal grimmig schauen, damit allen möglichen Angreifern der Mut genommen wird. Eine persönliche Form der Abschreckungspolitik also.

Wie gings weiter in Moskau? Auch mit "Urrraaaaa"?

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen