Thesen aus der russischen Provinz

#6

Kinderlieder sind schrecklich, überall. Und besonders deutschsprachige Weihnachtskinderlieder. Der Effekt wird noch verstärkt, wenn du als Nikolaus verkleidet in der Mitte eines Kreises von lauter Kindern stehst, die in voller Lautstärke mitsingen. Du taumelst, dich unter Verkleidung und Bart zu Tode schwitzend, von einem Ende des Kreises zum anderen, doch die Reihen sind geschlossen, es gibt kein Entkommen. Und irgendwer muss die Wiederholungstaste gedrückt halten, denn die exakt gleiche Strophe folgt auf den Refrain wieder und wieder. Langsam bist du für den Bart dankbar, denn so sehen die Kinder nicht den Ausdruck des blanken Entsetzens auf deinem Gesicht. Als der Teufelskreis der Wiederholungen doch irgendwann durchbrochen wird, schaffst du es noch deine Hände zu einem Klatschen zusammenzubringen und anschließend aus dem Zimmer zu stolpern. Dann ist es vorbei.

8.12.13 16:46

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Tante Angelika (8.12.13 16:50)
Oh my God! Du armer Junge, was machen sie mit dir? Ich durfte zum Osterfest tanzen mit einem Ei zwischen Schulter und Wange – das hat wahrhaftige Freude ausgelöst bei mir und allen Zusehern. Und es war religionsfrei.

Gib acht, dass dich keiner tauft!

In nomine padre et filii ...


Franzowitsch (14.12.13 13:37)
aber sowas stählt und lässt dich erhobenen Hauptes auf die echten Herausforderungen zugehen. Pass auf, bis du mit den russkis tanzen musst


Karin Gorstevna (14.12.13 13:48)
Die armen Kleinen konnten wohl nur die eine Strophe auf Deutsch. Ich hoffe, du hast nicht allzu grimmig geschaut.

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